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Lustige, witzige Gedichte zum Geburtstag Wilhelm Busch (1832 - 1908)

Zum 60. Geburtstag

Ehedem, getreu und fleißig,
tat er manchen tiefen Zug.
Erst, nachdem er zweimal dreissig
Sprach er: Jetzt sei's genug!

Von den Taten, wohl vollbrungen,
liebt das Alter auszuruhen,
und nun ist es an den Jungen
gleichfalls ihre Pflicht zu tun.

Der Musikant

Geburtstag ist's. Lind weht die Luft.
Geschoren ist der Rasen.
ein wonnevoller Rosenduft
Dringt tief in alle Nasen.

Manch angenehmes Vögelein
sitzt flötend auf den Bäumen,
indes die Jungen, zart und klein,
im warmen Neste träumen.

Flugs kommt denn auch daher gerannt,
schon früh im Morgentaue
mit seinem alten Instrument
der Musikant, der graue.

Im Juni, wie er das gewohnt,
besucht er einen Garten,
um der Signora, die da thront,
mit Tönen aufzuwarten.

Er räuspert sich, er macht sich lang,
er singt und streicht die Fiedel,
er singt, was er schon öfter sang;
Du kennst das alte Liedel.

Und wenn Du gut geschlafen hast
und lächelst hold hernieder,
dann kommt der Kerl, ich fürchte fast,
zum nächsten Juni wieder.
- Gedichte Wilhelm Busch

Drei alte Tanten zum (Namenstag) Die erste alte Tante sprach: "Wir müssen nun auch dran denken, was wir zu ihrem (Namenstag) Geburtstag dem guten Sophiechen schenken." Darauf die zweite Tante kühn: -Ich schlage vor, wir entscheiden uns für ein Kleid in Erbsengrün, das mag Sophiechen nicht leiden.- Der dritten Tante war das recht: -Ja-, sprach sie, -mit gelben Ranken! Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht und muß sich auch noch bedanken. Die Zeit vergeht Der Winter ging, der Sommer kam. Er bringt aufs neue wieder den vielbeliebten Wunderkram der Blumen und der Lieder. Wie das so wechselt Jahr für Jahr, betracht ich fast mit Sorgen. Was lebte, starb, was ist, es war, und heute wird zu morgen. Stets muß die Bildnerin Natur den alten Ton benützen in Haus und Garten, Wald und Flur zu ihren neuen Lebens-Skizzen. Morgengedanken

Liegt die Welt so frisch und tauig
vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
ins frühlingsgrüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
in schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
und eben darum lieb ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer;
Wer voll Vertraun die Welt besieht,
den freut es, wenn ein Regenschauer
mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

Kirschbaum

kennt ihn doch schon manches Jahr,
wisst, was er für ein Vogel war;
wie er in allen Gartenräumen
herumgeflattert auf den Bäumen.

Wie er die hübschen roten Beeren,
die andern Leuten zugehören,
mit seinem Schnabel angepickt
und sich ganz lasterhaft erquickt.

Nun hat sich dieser böse Näscher,
Gardinenschleicher, Mädchenhäscher,
der manchen Biedermann gequält,
am Ende selber einen Baum gewählt.

Nun legt er seine Stirn in Falten,
fängt eine Predigt an zu halten
und möchte uns von Tugend schwatzen.
Ei, so ein alter Schlingel!
Kaum Hat er 'nen Kirschbaum,
so schimpft er auf die‚ Spatzen.

Im Herbst des Lebens

schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübtem Hinterbein,
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden
geben dem Winde sie zum leichten Spiel,
die ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
wo Liebe scheu im Anbeginn,
und leis verknüpft ein zartes Bändchen
mit Freunden das Geburtstagskind.

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